Investitionsabzugsbetrag (§ 7g EStG) für Selbstständige

Du planst, in zwei Jahren einen Transporter oder eine Maschine zu kaufen, und dein Gewinn in diesem Jahr fällt höher aus als erwartet? Der Investitionsabzugsbetrag lässt dich bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Kosten schon jetzt vom Gewinn abziehen, bevor du die Anschaffung überhaupt getätigt hast. Er verschiebt einen Teil deiner künftigen Abschreibung in ein Jahr, in dem sie dir gerade mehr Steuern spart.
Geregelt ist das in § 7g EStG, kurz IAB. Er richtet sich an kleine und mittlere Betriebe, also an Selbstständige mit Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Dieser Leitfaden zeigt, wer den IAB nutzen darf, wie er mit Sonderabschreibung und AfA zusammenwirkt und was passiert, wenn aus der Investition nichts wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Investitionsabzugsbetrag zieht bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten einer geplanten Investition vorab vom Gewinn ab (§ 7g Abs. 1 EStG).
- Begünstigt sind abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, neu oder gebraucht: Maschine, Transporter, Werkzeug, Büroausstattung.
- Voraussetzung ist eine Gewinngrenze von 200.000 Euro im Jahr des Abzugs; je Betrieb sind höchstens 200.000 Euro IAB gleichzeitig möglich.
- Du hast drei Wirtschaftsjahre Zeit zu investieren. Im Anschaffungsjahr rechnest du den IAB wieder hinzu und minderst dafür die AfA-Grundlage.
- Kaufst du zusätzlich im Investitionsjahr, kannst du eine Sonderabschreibung von 40 Prozent (seit 2024) obendrauf setzen. Investierst du gar nicht, löst das Finanzamt den IAB rückwirkend auf und verzinst die Steuernachzahlung.
Was der Investitionsabzugsbetrag ist
Normalerweise setzt du die Kosten eines langlebigen Anlageguts erst ab, wenn du es gekauft hast, und dann verteilt über die Nutzungsdauer. Der Investitionsabzugsbetrag dreht diese Reihenfolge für geplante Anschaffungen um: Er lässt dich bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Kosten bereits im Jahr der Planung abziehen, obwohl das Wirtschaftsgut noch gar nicht im Betrieb steht.
Der Effekt ist kein zusätzlicher Abzug, sondern ein zeitlicher Vorzug. Was du heute als IAB abziehst, rechnest du im Jahr des Kaufs wieder hinzu; unterm Strich setzt du keinen Cent mehr ab als die vollen Anschaffungskosten. Der Reiz liegt im Timing: Du ziehst den Abzug in ein gewinnstarkes Jahr und senkst die Steuer, wenn dein Grenzsteuersatz am höchsten ist. Zugleich verschafft der IAB Liquidität, weil die Ersparnis schon vor dem Kauf anfällt.
Begünstigt sind nur abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Das sind Gegenstände, die du dauerhaft im Betrieb nutzt und die sich abnutzen: Maschine, Transporter, Werkzeug, Kamera, Büroeinrichtung. Ob neu oder gebraucht, spielt keine Rolle. Ausgeschlossen sind Gebäude und Grundstücke, immaterielle Güter wie Software oder Lizenzen und alles, was du zum Weiterverkauf einkaufst.
Wer den IAB nutzen darf: die Voraussetzungen
Der Paragraf knüpft den Abzug an klare Grenzen. Seit dem Jahressteuergesetz 2020 gilt eine einzige, einheitliche Gewinngrenze für alle Gewinnermittlungsarten, statt der früheren Sonderregeln für die EÜR.
| Merkmal | Regel nach § 7g EStG |
|---|---|
| Abzugshöhe | bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten |
| Begünstigte Güter | abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (neu oder gebraucht) |
| Gewinngrenze | max. 200.000 € Gewinn im Jahr des Abzugs (vor Abzug des IAB) |
| Höchstbetrag | 200.000 € je Betrieb, kumuliert über alle offenen IAB |
| Investitionszeitraum | 3 Wirtschaftsjahre nach dem Abzugsjahr |
| Nutzung | mind. 90 % betrieblich, im Anschaffungs- und im Folgejahr, inländische Betriebsstätte |
Zwei Punkte werden in der Praxis oft übersehen. Erstens die Nutzungsgrenze: Das Gesetz verlangt, dass du das Wirtschaftsgut "ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich" nutzt, und die Finanzverwaltung legt das als mindestens 90 Prozent betriebliche Nutzung aus. Beim privat mitgenutzten Pkw ist das der häufigste Streitpunkt: Ohne Fahrtenbuch unterstellt das Finanzamt oft mehr als 10 Prozent Privatnutzung.
Zweitens die Gewinngrenze: Maßgeblich ist der Gewinn des Abzugsjahres, gerechnet vor dem IAB. Liegt er über 200.000 Euro, ist der Abzug gesperrt, egal wie klein die geplante Investition ist.
Rechenbeispiel: IAB, Sonderabschreibung und AfA zusammen
Der IAB entfaltet seine volle Wirkung erst im Zusammenspiel mit der Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG. Für Anschaffungen ab 2024 wurde diese Sonder-AfA vom Wachstumschancengesetz von 20 auf 40 Prozent angehoben. Du darfst sie frei auf das Anschaffungsjahr und die vier folgenden Jahre verteilen.
Nimm eine Maschine, die du für 40.000 Euro netto kaufen willst, geplant für 2028, mit acht Jahren Nutzungsdauer. Dein Gewinn 2026 liegt unter der 200.000-Euro-Grenze.
| Jahr | Vorgang | Wirkung auf den Gewinn |
|---|---|---|
| 2026 | IAB, 50 % von 40.000 € | −20.000 € |
| 2028 | Hinzurechnung des IAB im Anschaffungsjahr | +20.000 € |
| 2028 | Herabsetzung der Anschaffungskosten | −20.000 € |
| 2028 | Sonderabschreibung, 40 % von 20.000 € | −8.000 € |
| 2028 | lineare AfA, 20.000 € ÷ 8 Jahre | −2.500 € |
So läuft es ab: 2026 ziehst du 20.000 Euro als IAB ab. 2028 kaufst du die Maschine und rechnest die 20.000 Euro wieder hinzu; im Gegenzug darfst du die Anschaffungskosten um denselben Betrag herabsetzen, sodass deine AfA-Bemessungsgrundlage nur noch 20.000 Euro beträgt. Hinzurechnung und Herabsetzung gleichen sich 2028 also aus.
Auf diese geminderten 20.000 Euro rechnest du nun die Sonderabschreibung von 40 Prozent, also 8.000 Euro, plus die reguläre lineare AfA von 2.500 Euro im ersten vollen Jahr. Zählt man beides zusammen, hast du über den IAB und die Sonderabschreibung 70 Prozent der 40.000 Euro vorgezogen: 50 Prozent als IAB und 20 Prozent als Sonder-AfA (das sind 40 Prozent der halbierten Kosten). Der verbleibende Buchwert von 9.500 Euro läuft über die restliche Nutzungsdauer als normale AfA ab.
Was passiert, wenn du nicht investierst
Der IAB ist eine Absichtserklärung mit Frist. Kaufst du innerhalb der drei Wirtschaftsjahre kein passendes Wirtschaftsgut, verlangt § 7g Abs. 3 EStG die Rückgängigmachung. Das Finanzamt löst den Abzug dann nicht im laufenden Jahr auf. Es ändert rückwirkend deinen Steuerbescheid des Abzugsjahres: Der Gewinn von damals steigt wieder um den IAB, und die Steuernachzahlung wird fällig.
Teuer wird die Sache durch die Zinsen. Die Nachzahlung verzinst das Finanzamt nach § 233a AO mit 0,15 Prozent pro Monat, also 1,8 Prozent im Jahr. Der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ablauf des Abzugsjahres und läuft weiter, bis der geänderte Bescheid ergeht. Bei einem IAB von 20.000 Euro und einem angenommenen Steuersatz von 30 Prozent geht es um rund 6.000 Euro Steuer plus Zinsen für inzwischen mehrere Jahre. Denselben Effekt löst es aus, wenn du zwar investierst, das Gut aber im Anschaffungs- oder Folgejahr die 90-Prozent-Nutzung reißt (§ 7g Abs. 4 EStG).
Die Lehre: Einen IAB bildest du für fest geplante Investitionen, nicht als Steuerstundung ins Blaue. Wer ernsthaft vorhat zu kaufen, gewinnt; wer nur den Gewinn drücken will und dann nicht investiert, zahlt am Ende drauf.
Den IAB in der EÜR eintragen
In der Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist der IAB kein normaler Buchungsvorgang über ein Konto, sondern eine außerbilanzielle Größe. Du trägst ihn in den dafür vorgesehenen Zeilen der Anlage EÜR ein: den Abzug im Jahr der Bildung, die Hinzurechnung im Anschaffungsjahr und, falls nötig, die Rückgängigmachung. Sonderabschreibung und lineare AfA laufen danach über dein Anlagenverzeichnis.
Sobald du investierst, entscheidet ein Beleg über den ganzen Vorgang: die Anschaffungsrechnung. Sie belegt, dass du das geplante Gut in der richtigen Höhe und im richtigen Jahr gekauft hast, und trägt Hinzurechnung, Herabsetzung und AfA. Fehlt sie bei einer Prüfung, steht die ganze Kette vom IAB bis zur Abschreibung in Frage.
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Häufige Fehler beim Investitionsabzugsbetrag
- Den IAB ohne echte Investitionsabsicht bilden. Wer nur den Gewinn drückt und dann nicht kauft, kassiert die Rückgängigmachung mit Zinsen. Der Abzug lohnt nur, wenn die Anschaffung auch folgt.
- Die Gewinngrenze übersehen. Liegt dein Gewinn im Abzugsjahr über 200.000 Euro, ist der IAB gesperrt. Maßgeblich ist der Gewinn vor dem Abzug, nicht danach.
- Immaterielle Güter einplanen. Software, Lizenzen und Rechte sind keine beweglichen Wirtschaftsgüter und für den IAB ausgeschlossen, ebenso Gebäude und Grundstücke.
- Die 90-Prozent-Nutzung beim Pkw riskieren. Ohne Fahrtenbuch erkennt das Finanzamt die betriebliche Nutzung oft nicht in voller Höhe an, und der IAB fällt weg.
- Die Anschaffungsrechnung verlieren. Ohne Beleg lässt sich die getätigte Investition nicht nachweisen, und die ganze IAB-Kette bricht bei der Prüfung zusammen.
Häufige Fragen zum Investitionsabzugsbetrag
Wie hoch ist der Investitionsabzugsbetrag?
Bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines geplanten Wirtschaftsguts (§ 7g Abs. 1 EStG). Je Betrieb dürfen gleichzeitig höchstens 200.000 Euro an Investitionsabzugsbeträgen offen sein.
Welche Gewinngrenze gilt für den IAB?
Dein Gewinn im Jahr des Abzugs darf 200.000 Euro nicht übersteigen, gerechnet vor dem IAB. Seit 2020 gilt diese Grenze einheitlich für Bilanzierer und für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
Wie lange habe ich Zeit zu investieren?
Drei Wirtschaftsjahre nach dem Jahr des Abzugs. Kaufst du in diesem Zeitraum ein passendes bewegliches Wirtschaftsgut, rechnest du den IAB im Anschaffungsjahr hinzu. Investierst du nicht, wird der Abzug rückwirkend aufgelöst.
Kann ich IAB und Sonderabschreibung kombinieren?
Ja. Auf das gekaufte Gut legst du zusätzlich die Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG von bis zu 40 Prozent (seit 2024), verteilt über das Anschaffungsjahr und vier Folgejahre. Danach läuft die reguläre AfA weiter.
Was passiert, wenn ich die geplante Investition nicht tätige?
Das Finanzamt macht den IAB rückgängig und ändert deinen Steuerbescheid des Abzugsjahres. Die Steuernachzahlung wird nach § 233a AO mit 1,8 Prozent im Jahr verzinst, der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ende des Abzugsjahres.
Kernpunkte zum Investitionsabzugsbetrag
- Der IAB zieht bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Kosten einer geplanten Investition vorab vom Gewinn ab (§ 7g Abs. 1 EStG) und verschiebt so den Abzug in ein gewinnstarkes Jahr.
- Begünstigt sind nur abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, neu oder gebraucht. Gebäude, Grundstücke und immaterielle Güter sind ausgeschlossen.
- Voraussetzung sind ein Gewinn bis 200.000 Euro im Abzugsjahr, höchstens 200.000 Euro IAB je Betrieb und mindestens 90 Prozent betriebliche Nutzung.
- Im Anschaffungsjahr rechnest du den IAB hinzu und minderst die AfA-Grundlage; zusammen mit der 40-Prozent-Sonderabschreibung ziehst du bis zu 70 Prozent der Kosten vor.
- Ohne Investition innerhalb von drei Jahren folgt die Rückgängigmachung samt Verzinsung nach § 233a AO. Die getätigte Anschaffung weist du mit der Rechnung nach, die du am besten sofort digital sicherst.
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Hinweis: Stand September 2026. Prozentsätze, Grenzen und die Höhe der Sonderabschreibung können sich ändern, und ob sich ein IAB lohnt, hängt von deiner Gewinnsituation ab. Verbindliche Auskünfte geben das Einkommensteuergesetz, dein Finanzamt oder deine Steuerberaterin.
